Pressemitteilung von der Arbeitsgemeinschaft Gifhorn, Gifhorn 19.03.2026 von Karen Beatrice Wegner
„Die kurzfristige Absage eines bereits zugesagten Veranstaltungsortes für ein Benefizkonzert in Erinnerung an Carolin Bohl aus Verden an der Aller und zugunsten des zerstörten Kibbutz Nir Oz sorgt für erhebliche Kritik und wirft grundlegende Fragen zum Umgang öffentlicher Institutionen mit zivilgesellschaftlichen Engagement auf.
Die Veranstaltung, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Gifhorn der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sollte am 12. April im Clara Schumann-Saal der Volkshochschule Gifhorn stattfinden. Ziel war es, Spenden für den Wiederaufbau des Kibbutz zu sammeln. der beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 zerstört wurde, der Ort, den Carolin so sehr liebte.
Das Programm war bewusst als kulturelle und humanitäre Brücke konzipiert. Es verbindet zu gleichen Teilen Musik und Literatur. Neben einem Konzert der Klezmer-Band Cladatje sollten literarische Beiträge des Sprechers Robert Levin präsentiert werden- eine vielgehörte Stimme aus TV-Dokomentation und Streaming-Formaten. Vorgesehen waren unter anderem Texte des international Autors Edgar Keret, dessen Kurzgeschichten weltweit in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Trotz bereits erteilter Zusage wurde der Veranstaltungsort kurzfristig mit Verweis auf eine angebliche „Neutralität“ entzogen.
Die Veranstalter kritisieren diese Begründung als rechtlich und sachlich nicht haltbar. Öffentliche Einrichtungen seien gesetzlich verpflichtet, ihre Räume zur Verfügung zu stellen, solange keine sachlichen Ablehnungsgründe vorliegen. Weder Kapazitätsprobleme noch verfassungswidrige Inhalte seien hier gegeben.
„Es handelt sich nicht um eine politische Kampagne, sondern um eine kulturelle und humanitäre Benefizveranstaltung zur Unterstützung von Terroropfern“ erklärt Karen Beatrice Wegner, Vorsitzende der DIG Gifhorn.
Besonders kritisch wird bewertet, dass Soldiarität mit den Opfern eines terroristischen Angriffs offenbar als „politisch“ eingestuft wird. Dies erwecke den Eindruck, dass nicht das humanitäre Anliegen, sondern die Identität der Opfer – israelische Zivilisten und Carolin Bohl als deutsches Opfer- ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen sein könnte.
Die Veranstalter fordern eine umgehende Rücknahme der Entschewidung und eine klare Positionierung zugunsten demokratischer und humanitärer Werte, damit das Benefizkonzert wie geplant stattfinden kann.
Kritiker sehen darin die Gefahr, Formen des israelbezogenen Antisemitismus indirekt zu reproduzieren. Wer Unterstützung für Opfer antisemitischer Gewalt unter Berufung auf „Neutralität“ verweigere, setze ein problematisches Signal. Gerade vor dem Hintergrund eines zunehmenden Antisemitismus in Deutschland sei es Aufgabe öffentlicher Institutionen, Räume für kulturellen Austausch, Literatur, Musik und konkrete Solidarität zu ermöglichen – nicht zu verhindern.“